Harzhelden-Saisonheft: Endlich. Wieder. Handball!

Darin steckt viel Herzblut. Ihr könnt es anfassen und wir hoffen sehr, dass ihr das so genießen könnt wie wir. Die Welt ist ja sonst oft online. Das stimmt. Die Welt von morgen ist digital. Stimmt vermutlich auch. Und Harzhelden.news sind ja definitiv eine Plattform, die ohne Internet nicht denkbar wäre. Sonst würdet ihr zum Beispiel diesen Text hier gar nicht lesen. Manchmal willst du vielleicht trotzdem was in der Hand haben, es berühren, noch einmal zurückblättern und von vorne lesen. Deswegen haben wir uns vor einigen Monaten entschlossen, dass wir aus der neuen Welt in die alte eintauchen: Ein Saisonmagazin sollte es werden, ein gedrucktes unbedingt. Ja, es ist irgendwie die Wende hin zu etwas, das für viele fast vergangen zu sein scheint. Für uns ist es eher der Beweis in Farben, Worten und Bildern dafür, dass eines das andere nicht ausschließt. Und das Wichtigste: Es war von Anfang an unser Ziel, dem Handball bei seinem Neustart unter die Arme zu greifen. Wir freuen uns riesig auf das Comeback in den Hallen - auf Emotionen, Diskussionen, Leidenschaft. Deswegen kam als Titel für unser erstes Saison-Magazin nur dieser in Frage: "ENDLICH WIEDER HANDBALL".

Wir sind unserer Linie treu geblieben. Es geht darum, beide "Lager" abzubilden - weil hier erneut das eine ohne das andere nicht denkbar wäre. Deshalb reicht unser (Lese-) Angebot zunächst vom Bergischen HC aus der höchsten deutschen Klasse bis zu den Zweitligisten VfL Gummersbach, TuSEM Essen und TSV Bayer Dormagen. Sie bilden den Profi-Handball unter dem Dach der HBL ab - was ein ungemein spannendes Themenfeld bietet. Alle hatten viel zu erzählen - und haben sich gerne die Zeit dafür genommen. Das gilt genauso für die Drittligisten, die in der Regel genau an der Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren angesiedelt sind und mit einem neuen Modus ganz sicher vor einer besonders aufregenden Serie stehen. Und die Amateure mit höheren Zielen oder dem allgemeinen Anspruch, leistungsorientierten Handball zu spielen? Sie bieten eine ähnliche Fülle an spannenden Nachrichten. Beispiel Regionalliga: Dort ist jetzt Matthias "Matze" Puhle unterwegs, der in der vergangenen Saison beim VfL Gummersbach der mit weitem Abstand beste Torhüter der 2. Bundesliga war. Diese Klasse nimmt ja für sich in Anspruch, nie so stark besetzt gewesen zu sein wie 2021/2022. Das stimmt sogar. Und womöglich reden wir dann am besten von "der ausgeglichensten Regionalliga aller Zeiten". Dem widersprechen im Übrigen auch die HG Remscheid und TV Korschenbroich nicht, die wir als unsere Medienpartner ebenfalls ausführlicher darstellen konnten.

Am Ende runden die beiden Oberligen Niederrhein und Mittelrhein unseren Harzhelden-Handball ab - als Klassen, die bereits sehr attraktiven Handball bieten und ihre Fans genauso in den Bann ziehen können wie die "Großen". Wir bedanken uns bei allen, die uns bei der Erstellung des Heftes durch Informationen und Tipps geholfen haben. Ohne euch wäre das Magazin in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen. Im Vorwort steht außerdem sehr deutlich, um was es sicher nicht zuletzt geht: "Der erste Moment, wenn du in die Kabine kommst und die Ansprache vor dem Spiel hältst – alleine der Geruch in der Kabine ist direkt wieder präsent. Du hast direkt wieder das Feeling, das wir alle lieben. Wir werden in dieser Saison viele dieser Momente haben, die uns vor Augen führen, was die letzten Monate haben vermissen lassen.“ Wer das gesagt hat, könnt ihr im Heft nachlesen. Für manche wird der Urheber vielleicht eine Überraschung sehen. Wir hoffen, dass ihr für euch noch andere Überraschungen entdecken werdet und wünschen euch viel Spaß beim Lesen. 

Als wir unser Magazin kalkuliert haben, sind drei  Euro Verkaufspreis herausgekommen. Dabei stand von der ersten Sekunde an fest, dass wir jeweils einen Euro davon abgeben wollen - als unseren Beitrag etwa für die Jugend-Arbeit eines Vereins. Das Geld bleibt im Handball - aber anders als geplant. Dazu blicken wir kurz zurück auf den 25. Juni, als nach endlos langen Diskussionen tatsächlich die Aufstiegsrunde der Regionalligisten zur 3. Bundesliga beginnt. TuSEM Essen II und der OSC Rheinhausen stehen sich an jenem Freitagabend in Düsseldorf-Rath in der Auftakt-Partie des Dreier-Turniers gegenüber. Dass sie mit 18:25 verlieren, interessiert die Rheinhausener hinterher nicht mal mehr am Rande. Im Nachhinein mutete es fast unglaublich an, dass sie die 60 Minuten überhaupt zu Ende gebracht haben. Ihr Mitspieler Julian Kamp kämpft zu diesem Zeitpunkt schon zusammen mit den Medizinern der Uniklinik Düsseldorf um sein Leben. Nichts hatte auf das Drama hingedeutet, als die Mannschaften die Halle betreten und sich auf die anstehende Aufgabe vorbereiten wollen. Julian beginnt ebenfalls mit dem Aufwärmen. Als die Unparteiischen anpfeifen, fehlt er aber. Und noch weiß keiner der Mitspieler genau, was passiert ist. Manche ahnen allerdings, dass es sehr ernst sein muss. Teamärztin Laura Ufermann übernimmt die Erstversorgung des Spielers, der anschließend so schnell wie möglich in die Uni-Klinik gebracht und dort behandelt wird. Diagnose: Hirnblutung.

Es dauert eine vor allem für die Familie quälend lange Weile, in der sich wenig über die Entwicklung sagen lässt. Wie steht es um Julian, wenn er aus dem Koma erwacht? Die gesamte Handball-Welt zittert mit dem 24-Jährigen darum, dass er in sein Leben zurückkehren mag und sich dort zumindest halbwegs wieder zurechtfinden kann. Knapp zwei Monate später ist das hier die beste mögliche Nachricht, die Julians Zwillingsbruder Yannick für und über seinen Bruder geben kann: "Es geht ihm gut. Die Ärzte sind positiv eingestellt." In der Übersetzung heißt das, dass Julian Kamp daran denken kann, in sein von früher gewohntes normales Leben zurückzukehren. Zurzeit befindet sich Julian für den nächsten Teil seiner Reha-Maßnahmen in einer darauf spezialisierten Klinik - und er hat den Kampf angenommen, sich Stück für Stück jene Dinge neu zu erarbeiten, die früher selbstverständlich waren. Konkret geht es darum, in einer entsprechenden Therapie das Sprachvermögen vollständiger herzustellen. Dass  zurzeit hin und wieder noch Störungen bei der Wortfindung vorkommen oder die rechte Körperhälfte insgesamt besser mobilisiert werden muss, hat Julian Kamp als Teil seines Comeback-Programms akzeptiert. Es sind die erkennbaren Fortschritte, die ihm Mut machen - zumal er bereits wieder auf den eigenen Beinen stehen konnte. 

Es gibt bei allem einen nicht kleinen Haken: Die Aufwendungen/Kosten für die Reha sind hoch - und zu einem bestimmten Teil nicht (mehr) von Leistungen der Krankenkasse gedeckt. Deshalb schließt sich der Kreis für uns an dieser Stelle schnell: Wir werden den oben erwähnten Euro pro verkauftem Heft für Julians Reha zur Verfügung stellen - die noch einige Zeit in Anspruch nimmt. Vielleicht hilft die Unterstützung Julian Kamp ein wenig, wenn der Kampf gerade wieder besonders viel Kraft kostet. Dass wir ihn am 30. August um 19.30 Uhr beim vom OSC Rheinhausen initiierten Benefizspiel gegen den Drittligisten SG Schalksmühle-Halver Dragons in der Halle Krefelder Straße treffen, ist unwahrscheinlich. An Bord im Team von Trainer Thomas Molsner wird natürlich Yannick Kamp sein, der sich mit Julian eine Wohnung teilt, mit ihm zusammen in einer Mannschaft spielt, dasselbe Fach studiert (Bauingenieur) und in diesen Wochen die Rolle des Familiensprechers übernommen hat. Weil er seinen Zwillingsbruder in- und auswendig kennt, ist diese Aussage hier keine Spinnerei, sondern ein sehr schöner Traum: "Er will so schnell wie möglich auf die Platte." Wir drücken Julian Kamp die Daumen.